Als erster kam einer der Besten zurück: Torhüter Petr Stochl bot gerade zum Auftakt gegen Deutschland eine Weltklasse-Leistung, konnte aber das Ausscheiden seiner Tschechen schon in der Vorrunde nicht verhindern. Auch für den Schweden Jonathan Stenbäcken, der erneut klar im Schatten seines ein Jahr jüngeren Mannschaftskollegen Kim Ekdahl du Rietz stand, verlief das Turnier enttäuschend. Zumal Rang zwölf für den WM-Vierten ein klarer Rückschlag war.
Spanien war lange Zeit die beste EM-Mannschaft, konnte aber das überragende Niveau der Vor- und Zwischenrunde in den entscheidenden Partien im Halbfinale gegen Dänemark (24:25) und um den 3. Platz gegen Kroatien (27:31) nicht halten. Berlins Iker Romero bekam nur wenig Einsatzzeiten, avancierte aber dank seiner guten Siebenmeterquote mit 26 Treffern gemeinsam mit Canellas zum besten spanischen EM-Schützen.
Ein Wechselbad der Gefühle erlebte der polnische Spielmacher Bartlomiej Jaszka. Nach dem hart erkämpften Sieg über Deutschland standen die Polen für kurze Zeit sogar im Halbfinale, wurden dann aber durch den mazedonischen Erfolg über Serbien nach hinten durchgereicht und landeten durch das schlechtere Torverhältnis im Dreier-Vergleich sogar noch hinter der DHB-Sieben auf Rang 9. Am Ende durfte das Wenta-Team vor dem Fernseher dennoch jubeln, denn durch den Sieg Mazedoniens über Slowenien im Spiel um Rang fünf rückte der WM-Achte von 2011 noch ins Olympia-Qualifikationsturnier nach.
Jaszka selbst bekam trotz des Ausfalls des Kielcer Mittelmannes Rosinski erstaunlich wenig Zeit auf dem Parkett und konnte die oftmals recht dürftigen Angriffsleistungen seines Teams nur selten beflügeln. Allerdings war er bei der erstaunlichen Aufholjagd gegen Schweden (29:29 nach 9:20-Halbzeitrückstand) mit acht Treffern einer der Antreiber. Insgesamt war die EM für Polen enttäuschend, das Ende jedoch versöhnlich, wenngleich äußerst glücklich.
Auch Alexander Petersson blieb mit seinen Isländern mit Rang zehn weit unter den Möglichkeiten. Nach einer starken Vorrunde musste der wurfgewaltige Linkshänder aufgrund erneut aufgetretener Schulterprobleme passen – sicher auch ein Grund für den enttäuschenden vorletzten Platz in der Gruppe II. Die Füchse werden alles daran setzen, ihren Halbrechten für die wichtigen Spiele beim HSV (8.2.) und gegen Medwedi Tschechow (12.2.) wieder fit zu bekommen.
Bleiben die beiden deutschen Nationalspieler Silvio Heinevetter und Sven-Sören Christophersen. Bei ihnen war der Frust nach der verpassten Doppelchance auf das Halbfinale natürlich riesengroß. Bei nüchterner Betrachtung muss man allerdings festhalten, dass das DHB-Team mit Rang sieben gegenüber den letzten großen Turnieren einen Fortschritt gemacht hat. Spielerisch gibt es gegenüber der Weltspitze immer noch Defizite, doch mannschaftlich und kämpferisch ist das Team unter Martin Heuberger gereift.
Daran haben auch die beiden Berliner ihren Anteil. Heinevetter zeigte teilweise Weltklasse-Leistungen und “Smöre” übernahm endlich auch im Nationaltrikot Verantwortung. Allerdings will man von ihm noch öfter Auftritte wie gegen den späteren Vize-Europameister Serbien (21:21) sehen, zumal er nicht nur als Schütze, sondern auch als Spielgestalter und vor allem im Deckungsbereich Qualitäten hat.
Eins dürfte für alle Füchse gelten: Nach kurzer Erholungspause und dem All Star Game am Sonnabend in Leipzig (20 Uhr, live auf Sport 1) werden sich alle voll darauf konzentrieren, jetzt mit ihrer Vereinsmannschaft die gesteckten Ziele zu erreichen.
22.5.2012