Zwischen den Champions-League-Höhepunkten gegen Moskau und in Madrid wartete am Mittwochabend ein gefährlicher Gegner auf die Füchse. Der Tabellensechste aus Magdeburg läuft gerade gegen die Berliner immer zu Höchstform auf. Hinzu kam, dass der Kontrahent angeschlagen, weil verletzungsgeschwächt war.
Gerade der langfristige Ausfall des etatmäßigen Halblinken Fabian van Olphen erwies sich als großer Vorteil der Füchse. Abwehrchef Ales Pajovic startete auf der Königsposition, hat aber nicht mehr die Klasse vergangener Tage. Für sein erstes Tor benötigte er fünf Versuche.
Da stand es bereits 5:1 für die Füchse, die mit einer kompakten Deckung nahtlos an die zweite Halbzeit gegen Tschechow anknüpften. Mit einem vorgezogenen Spieler, erst Jaszka, dann Löffler, störten sie früh die Kreise der einzig gefährlichen Rückraumposition der Gäste auf halbrechts.
Gegen anfangs hart einsteigende Magdeburger ging das Konzept voll auf. Christophersen traf zur 8:4-Führung, Richwien erzielte das 12:6. Nach Nincevics Siebenmeter zum 13:7 ließ allerdings die Konzentration im Abschluss stark nach. Obwohl nur vom polnischen Kreisläufer Jurecki, der zuletzt auch die deutsche Abwehr im letzten EM-Spiel über Gebühr beschäftigt hatte, wirklich Gefahr drohte, versäumten die Füchse eine höhere Halbzeitführung.
Sollte der Schlendrian sich noch rächen? Mark Bult traf zum 14:10, doch Jurecki und Pajovic verkürzten auf zwei Tore. „Torwartfehler“ skandierte da die zahlreichen SCM-Fans gegen Silvio Heinevetter, der sich einige verbale Gefechte mit seinen Ex-Kollegen lieferte.
Iker Romero versuchte jetzt sein Glück auf der Mittelposition, doch das Spiel blieb zerfahren. Magdeburg fehlten die spielerischen Mittel, die Füchse setzten die ihren nicht ein. So wurde es ein zähes Ringen und als Rojewski den 15:14-Anschlusstreffer setzte, witterten die Gäste ihre Chance.
Jetzt war es Zeit für Berlins spanischen Superstar, das Spiel an sich zu reißen. Mit drei blitzsauberen Toren sorgte Romero für Luft, Pevnov und Nincevic erhöhten anschließend auf 20:15 (50.). Damit war der Sack aber noch nicht zu, die Füchse verfielen wieder in alte Nachlässigkeiten. Richwien vergab zweimal aus bester Position, sein Ersatz Johannes Sellin kehrte zurück auf die Rechtsaußenposition.
Von da musste er verfolgen, wie zweimal Grafenhorst sowie Tönnesen per Strafwurf auf 20:18 verkürzten (56.). Erst als Nincevic per Siebenmeter und Romero aus dem Rückraum zum 22:18 trafen (57.), stand der Derby-Erfolg der Berliner fest.
Magdeburgs Trainer Frank Carstens betonte, dass sein Team immer wieder sein Können aufblitzen ließ, dann aber die einfachen Bälle im Gegensatz zu den Füchsen nicht verwertet hat. Für Füchse-Coach Dagur Sigurdsson war die gute Abwehrleistung über 60 Minuten ausschlaggebend für den Erfolg.
Beste Torschützen: Nincevic (6/5), Romero (5) und Christophersen (4) für die Füchse, Tönnesen (4/3), Grafenhorst, Pajovic und Jurecki (je 3) für Magdeburg.
22.5.2012